Mittwoch, 1. März 2017

Rezension des Fachbuches: Westernreiten meets Natural Horsemanship

Mögen Sie Geschichten? Dann ist dieses Buch genau richtig für Sie, denn dem Storytelling ist der ganze zweite Teil des siebenteiligen Buches gewidmet. Am Beispiel ihrer fünf eigenen Pferde erzählt die Autorin, wie mit dem Natural Horsemanship Programm aus Problempferden Verlasspferde werden.
Besonders witzig ist das Kapitel über das Cuttingpferd Queenie, dass die Autorin liebevoll ihren Jungdrachen nennt, denn Queenie hat ein Selbstbewusstsein, dass durch keine Tür passt. Sie wusste schon vom Tag ihrer Geburt an, was sie will und noch besser, was sie nicht will. Mit viel Humor wird die Geschichte des heute fünfjährigen Pferdes erzählt, so dass der Leser aus dem Schmunzeln nicht heraus kommt. Wer die Geschichte dieses Buches lesen möchte, der kann dies übrigens in unserem Turnierblog: Zu Reining-lastig - aus ethischen Gründen abgelehnt. nachlesen. Dort gibt es auch den Klappentext und die Inhaltsangabe.

Weniger lustig, aber nicht minder spannend ist die Geschichte von Queenies Mutter Fancy.


Die Autorin hat die Painthorsestute vom Händler gekauft und da sie sich als Reitpferd nicht verkaufen ließ, hatte dieser sie decken lassen, um sie als Zuchtstute zu veräußern. Die Autorin hatte bereits vorher ein Pferd bei demselben Händler für ein Appel und ein Ei erworben, um es ein Jahr später (korrekt eingeritten und korrigiert) fürs Dreifache zu verkaufen. Diesen Plan hatte sie auch bei der einfarbigen Paintstute
Fancy, aber bei ihr hatte die Autorin ihr Herz verloren - an einen Verkauf war also nicht mehr zu denken. So schwierig die Stute beim Reiten war - sie buckelte zwischenzeitlich wie ein Rodeopferd und kannte nur die beiden Gangarten Stechtrab und Renngalopp - so hatte die Autorin von der ersten Stunde an eine besondere Beziehung zu der damals tragenden Stute. Es gab einige Erlebnisse, die man nur mit Telepathie beschreiben kann: Als die Autorin eines Nachts wach wurde, hatte sie das dringende Bedürfnis zum Stall zu gehen und fand ihre Stute vor, wie sie sich mit einem Bein im Zaun verheddert hatte. Wochen später wusste die Autorin genau, wann der Geburtstag des Fohlens Queenie sein würde und hat sich genau an diesem Tag ein Feldbett im Stall aufgebaut (mehr zum Thema Telepathie zwischen Pferd und Mensch lesen Sie im Themenmonat Spiritualität hier im Blog).

Doch Beziehung hin oder her: Beim Reiten wollte es dennoch anfangs überhaupt nicht funktionieren. Ein Trainer nach dem anderen bescheinigte der Autorin, dass es schwierig bis unmöglich werden würde aus diesem Möchtegern-Rennpferd ein gelassenes Westernpferd zu machen. Einmal hat ein Trainer die überdrehte Stute longiert, damit diese ruhiger wird. Das Gegenteil trat ein und er bekam sie überhaupt nicht mehr angehalten, als sie einmal in Fahrt war. Mit Schweiß überströmt stand das Pferd erst dann, als die Autorin von außen auf das Pferd einredete, denn wäre sie so weiter gerannt, wäre sie wahrscheinlich kollabiert. Klingt wohl alles irgendwie Wendy, ist es aber nicht, denn auf Turnieren hat Painthorse Fancy der Autorin erneut das Fürchten gelehrt, weil sie zum Teil mitten in der Prüfung umdrehte und aus der Halle rennen wollte. Ähnlich erging es der Tochter mit Fancy, die es aber gelassen nahm mit den Worten: "Wenigstens buckelt sie nicht mehr so", denn Talente zum Rodeopferd hatte die Stute ebenfalls im ersten Jahr, nachdem die Familie Steiner sie gekauft hatte.

Das trifft sich aber im Nachhinein alles ganz gut, denn die Intention des Buches ist es zu beweisen, dass Natural Horsemanship die Pferde derart ins seelische und mentale Gleichgewicht bringen kann, dass selbst schwierige Pferde dadurch wie ausgewechselt sind, denn oben beschriebene Fancy ist nicht nur ein gelassenes Schul- und Geländepferd geworden, sondern hat der Autorin auch den Aufstieg von der Leistungsklasse 3 in die höhere Leistungsklasse 2 der EWU ermöglicht. In der nachfolgenden Playlist finden Sie Videos von einigen dieser Turnierritte sowie Videos davon, wie die Autorin und ihr Sohn mit Fancy ganz ohne Kopfstück unterwegs sind und sogar fliegende Galoppwechsel und Stops aus dem Galopp zeigen. Das ist nämlich dann (und nur dann) möglich, wenn man die Beziehung zum Pferd an die erste Stelle setzt .... wie der Mensch sich genau das erarbeitet, wird im Buch Schritt für Schritt erklärt (wegen technischer Störung einfach Link klicken):

https://www.youtube.com/playlist?list=PLR4Cvt5LYbiR95Nu8r7kN3LtwrzW-3f9e

Das Vorwort zum Buch hat die Tochter der Autorin geschrieben, die mit Nur-einem-Pony Vizelandesmeisterin in der Reining (Leistungsklasse 1 B) wurde und auch sie sagt, dass sie ihren Erfolg dem Natural Horsemanship zu verdanken hat (sie war zudem zwei Jahre in Folge Beste ihrer Leistungsklasse und das sogar im stärksten EWU-Landesverband: dem Rheinland. Außerdem zweifache Disziplinensiegerin Reining, Superhorse, Westernriding und Trail sowie 7 x Allaroundchampion).
Der dritte Teil des Buches vermittelt zunächst grundlegende Techniken des Natural Horsemanship, die für Klassischreiter genauso anwendbar sind wie für Westernreiter (wobei es nicht nur um Technik und Körpersprache geht, sondern um eine energetische Sprache, die allen Lebewesen gemeinsam ist).
Die Fotos von Pony Lucky sind von Katharina Erfling, die auch die Bilder
fürs vorgestellte Buch "geknipst" hat - www.pony-galopp.de
Nur der vierte Teil des Buches richtet sich explizit an Westernreiter, denn hier wird erklärt wie aus den Grundtechniken aus Teil 3 Reining-Manöver wie der Spin oder der Rollback erarbeitet werden oder wie die Turnierdisziplin Trail dem Pferd am Boden spielerisch erklärt wird. Zwar ist die Autorin selbst noch nie Cutting oder Working Cowhorse geritten, aber sie hatte die Ehre einem Kurs bei Horsemanship-Legende Pat Parelli persönlich zu besuchen, der genau diese Rinderdisziplinen anschaulich erklärt hat. Auch diese Erkenntnisse fließen ins Buch ein sowie ein Kapitel, das die Beinhilfen im Parelli-System erklärt wie auch ein weiteres Kapitel wie Bronze-Europameister Elias Ernst erklärt wie man auf Dutzende Arten übers Bein mit dem Pferd kommunizieren kann. Auch das Pro-Ride-Konzept von Thomas Günther ist in großen Teilen integriert (mehr dazu HIER). Gleichwohl ist der vierte Teil für Englischreiter nicht uninteressant, denn es gibt außerdem Natural- Horsemanship-Tipps für einen guten Sitz, kurze Einblicke in Linda Parellis "Game of contact" und eine anschauliche Anleitung wie man dem Pferd den fliegenden Galoppwechsel "natürlich" erklärt - auf eine Art und Weise, dass das Lernen zum Spaß wird.

Im fünften Teil geht es um die Gymnastizierung von Pferden (z.B. warum die Dehnungshaltung gesund fürs Pferd ist) und die Jungpferdeausbildung (warum je später je besser eben doch nicht die beste Idee ist) und im siebten Teil geht es dann um das Thema Natural-Horsemanship-Ausrüstung. Das Buch umfasst 212 Seiten mit 135 Fotos, die u.a. in Schritt-für-Schritt-Anleitungen die im Buch beschriebenen Techniken begleiten. Wenn Text und Fotos zur Veranschaulichung nicht ausreichen, verweist die Autorin zudem auf Videos aus ihrem Youtube-Kanal, die mit einer einfachen Buchstabenkombination leicht zu finden sind. Beispiel-Videos sehen Sie in folgender Playlist:

https://www.youtube.com/playlist?list=PLR4Cvt5LYbiQEUgE0cW5CStaUeTjR5jMH

Man kann in diesem Buch also richtig viel lernen übers Natural Horsemanship, das Westernreiten und die unterschiedlichen Problemlösungsstrategien bei unterschiedlichen Pferdepersönlichkeitstypen.

Die Autorin ist aber bekannt dafür, dass sie immer wieder Althergebrachtes kritisch hinterfragt und das tut sie z.B. im Nachwort, denn da geht es um einen Artikel des Westernhorse-Redakteurs Hardy Oelke, der fordert, dass das Westernreiten sich klassischen Grundsätzen beugt. Die Autorin erklärt unterhaltsam und anschaulich, warum sie genau das eben nicht als sinnvoll erachtet. Fazit: Wer klassisch reiten möchte, soll genau das tun und dem Westernreiter seine eigene Identität zugestehen.

Das Nachwort können Sie bei Amazon nachlesen, da das Buch aber bei Amazon und in 19 weiteren Online-Buchshops in kürzester Zeit ausverkauft war und nun Lieferzeiten von bis zu zwei Monaten angekündigt werden, bestellen Sie am Besten im BOD-Buchshop bzw. am Allerliebsten bei der Autorin selbst, die gerade 25 Leute für eine Verlagsbestellung sucht (bitte eMail an nicola-steiner@t-online.de - dies ist auch die Paypal-Adresse. Kontodaten im IMPRESSUM). Sie können selbstverständlich auch die vier anderen Bücher bei mir bestellen - für die "kleinen" Bücher fallen allerdings pro Buch ein Euro Versandkosten an, die ich ihn bei "Westernreiten meets Natural Horsemanship" schenke und würde mich als kleines Dankeschön über eine Rezension bei Amazon oder Thalia freuen.



Eine Rezension der 12-Oaks-Sammelbänder "Inspirationen aus dem Parelli-Land" und "Westernreiten zwischen Witz und Wissenschaft" finden Sie HIER - beide können ebenfalls bei mir bestellt werden:

Zur Homepage der Autorin - HIER klicken, wo Sie auch Rezensionen zu den beiden Erstlingswerken der Autorin finden.

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